Eine Schürfwunde nach dem Bolzen auf dem Fußballplatz oder ein Sturz vom Fahrrad – Kinder kommen gelegentlich mit Blessuren nach Hause. Bei Kindern aus Ghana oder von der Côte d’Ivoire, besser bekannt als Elfenbeinküste, stammen manche dieser Verletzungen nicht aus der Freizeit, sondern von ihrer Arbeit auf den Kakaoplantagen. Und dennoch gibt es Grund zur Hoffnung.

Weltweit müssen 152 Millionen Kinder arbeiten – und damit ist nicht das Helfen im Haushalt gemeint. Auch nicht das Zeitungsaustragen, das in Deutschland ab 13 Jahren offiziell erlaubt ist. Viele Kinder arbeiten in der Landwirtschaft, einem gefährlichen Sektor: Extreme Umweltbedingungen wie enorme Hitze und Trockenheit, der Einsatz von Pestiziden und gefährlichen Gegenständen wie Messern oder Macheten erschweren die tägliche Arbeit. Noch dazu kommt das Tragen schwerer Säcke wie beispielsweise bei der Kakaoernte.

Wenn Arbeit zur Gefahr wird

Laut einem Bericht der Universität Chicago (NORC) arbeiten in der Côte d’Ivoire und in Ghana fast 1,6 Millionen Minderjährige im Kakaoanbau. Sie helfen bei der Ernte und dem Sammeln der Kakaofrüchte, sie öffnen und trocknen die Früchte, die sie im Anschluss verpacken und verladen. Auch das Ausbringen von Dünge- und Spritzmitteln sowie das Unkrautjäten gehört zu ihren Aufgaben. Und das alles bei glühender Hitze.

95 Prozent der Kinder, die im Kakaoanbau tätig, verrichten mit diesen Tätigkeiten Arbeiten, die als gefährlich eingestuft sind und oft zu Verletzungen führen: Nicht selten kommt es vor, dass sich die Kinder beim Unkrautjäten mit Macheten verletzen, bei der Ernte vom Baum stürzen oder beim Ausbringen von Pestiziden mit diesen in direkten Kontakt kommen.

Die Anzahl der Kinder, die scharfe Werkzeuge benutzen, schwere Lasten tragen und Land roden ist weiterhin sehr hoch. Besonders besorgniserregend ist, dass immer mehr Kinder auf der Kakaoplantage landwirtschaftlichen Chemikalien ausgesetzt sind, was zu Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen führt. Oft sind dies sogar erste Anzeichen einer Vergiftung.

Kakaoplantage statt Schule?

Trotz dieser vielen erschreckenden Zahlen und Fakten gibt es Grund zur Hoffnung: Denn sowohl in Ghana als auch in der Côte d’Ivoire – Länder, in denen Kinderarbeit übrigens eigentlich gesetzlich verboten ist – verbessert sich der Gesetzesrahmen. Das betrifft besonders das Thema Schule. Im Jahr 2015 wurde beispielsweise ein Gesetz verabschiedet, das die Schulpflicht von 6- bis 16-Jährigen regelt. Extra gegründete Organisationen und Stiftungen bekämpfen gezielt die Kinderarbeit vor Ort und setzen sich für Bildung, Gesundheit und soziale Sicherheit der Jüngsten ein. 

Mit Erfolg: Denn in beiden Ländern ist laut dem NORC-Bericht der Universität Chicago in den letzten Jahren der Anteil der 5- bis 17-Jährigen, die in Kakaoanbaugebieten leben und zur Schule gehen, stetig gestiegen. Ein guter Anfang, um den Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Neben Organisationen und Initiativen vor Ort ist es genauso wichtig, dass auch Vertreter aus der Wirtschaft tätig werden. Schließlich sind niedrige Rohstoffpreise einer der Hauptgründe, warum so viele Kinder überhaupt auf den Kakaoplantagen arbeiten müssen. Auf das sogenannte Harkin-Engel-Protokoll, das 2001 von Vertretern der Kakaowirtschaft unterschrieben wurde, um Kinderarbeit in der Lieferkette Kakao zu unterbinden, folgte 2001 die International Cocoa Initiative (ICI) – finanziert von der internationalen Kakaoindustrie. Mitglieder sind unter anderem Cargill, Nestlé, Barry Callebaut, Fairtrade und die GIZ. Und alle haben ein gemeinsames Ziel: Kinderarbeit im Kakaosektor zu bekämpfen. Damit Kinder nicht Tag für Tag hart schuften müssen, sondern auch in Ländern wie Ghana oder der Côte d’Ivoire ihre Kindheit genießen und in Sicherheit aufwachsen können.

Mehr zur Arbeit auf der Kakaoplantage und weitere Themen rund um das Thema Kakao findest du unter https://kakaoausstellung.de/

 

Quellen:

-    NORC-Bericht
-    Oro Verde Die Tropenwaldstiftung