Das Hochland Äthiopiens gilt als die Heimat des Arabica-Kaffees. Im Schatten des tropischen Waldes wächst er geschützt heran – doch niedrige Kaffee-Preise und erhöhter Landbedarf drohen den Wald zu zerstören. Was kann dagegen getan werden?

Auf dem Bild sieht man zwei Frauen. Die eine Frau lässt die ungerösteten Kaffeebohnen durch ihre Hände gehen. Die andere Frau fängt die Bohnen auf. Beide stehen vor einem Tisch, auf dem die Kaffeebohnen getrocknet werden.
© GIZ/Silas Koch

Die einfachen Lehmwände des Büros der Kooperative „Dire Gudinaa“ sind über und über mit großformatigen, handbeschriebenen Zielerreichungsplänen bedeckt: Budgets, Indikatoren zu Waldschutzmaßnahmen, erwartete Kaffeeernten. In der Ecke des engen Raumes türmen sich Registerbücher. Die Bücher enthalten detaillierte Angaben zu Kaffee-Transaktionen, Wareneingängen und -ausgängen und den Mitgliedern der Kooperative. Direkt nebenan im Lagerhaus aus Wellblech stapeln sich Jutesäcke mit getrockneten Kaffeekirschen. Sie warten auf den Transport nach Metu zur Trockenmühle der „Sorgeba Union“, bei der die Kooperative Mitglied ist. Von Digitalisierung keine Spur. Noch geht hier alles seinen analogen Weg. 

Wir befinden uns in Nono Sale, einem Woreda (Distrikt) im Südwesten Äthiopiens in der Region Oromia. Über 80 Prozent der Fläche Nono Sales ist bewaldet, größtenteils mit Primärwald. Die etwa 5.100 bäuerlichen Haushalte beziehen ihre Einkommen zu großen Teilen aus der Waldimkerei und dem Verkauf von Wildkaffee. Das Hochland Äthiopiens gilt als die Herkunftsregion des Arabica-Kaffees, der hier als wild wachsende Pflanze unter dem Schattendach tropischer Baumriesen gedeiht. Die Holzentnahme und das Pflanzen weiterer Kaffeebäume unterliegen den strengen Auflagen eines Wald-Managementsystems, das den Waldbestand schützen soll. Es fehlt jedoch an Ressourcen und Hebeln, um diese Auflagen effizient durchzusetzen. 

Der im Wald gepflückte Kaffee wird hauptsächlich als Massenware über die äthiopische Rohstoffbörse gehandelt. Die Bäuerinnen und Bauern erzielen damit nur sehr niedrige Preise und können davon mehr schlecht als recht leben. Um ihre Einkommenssituation zu verbessern, erhöhen viele Bäuerinnen und Bauern die Anzahl der Kaffeebäume. Dafür brauchen sie mehr Sonnenlicht und müssen das Kronendach des Waldes lichten. Der Waldbestand sieht sich einem steigenden Druck ausgesetzt. 

Wie kann der Wald gerettet werden? 

Damit die Bäuerinnen und Bauern vor Ort auch in Zukunft noch Kaffee anbauen und davon leben können, wurde das Projekt „Sustainability and Value Added in Agricultural Supply Chains in Ethiopia“, kurz SUVASE, ins Leben gerufen. Dieses fördert Nachhaltigkeit in landwirtschaftlichen Lieferketten und zielt darauf ab, diese fair, nachhaltig und frei von Abholzung zu gestalten. Im Fokus des Projekts stehen neben Kaffee auch Produkte wie Bienenwachs, Honig und Gewürze.  
Ziel ist es, in der äthiopischen Projektregion, die eben auch Nono Sale umfasst, eine nachhaltige Anbauregion aufzubauen und für die lokale Bevölkerung ein existenzsicherndes Einkommen zu ermöglichen. Für ein besseres Leben der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern und für einen gesunden Wald. 

Du möchtest mehr darüber erfahren, welche Maßnahmen das Projekt genau umfasst und wie der aktuelle Stand ist? Hier gibt es mehr Informationen.