Eine Kakaobauernfamilie in der Elfenbeinküste bräuchte 478 Euro, um über die Runden zu kommen. Auf der Kakaoplantage verdienen sie jedoch oftmals nur ein Drittel davon. Zum Leben reicht dies kaum. Deshalb müssen viele Kinder nach der Schule noch auf der Kakaoplantage arbeiten.

© GIZ/Gaël Gellé

Süß, cremig und einfach super lecker: Schokolade zählt in Deutschland zu den beliebtesten Süßigkeiten. Mehr als 9 kg isst jede und jeder von uns pro Jahr (Quelle: Statista). Und dabei ist es ganz egal ob als Tafel, in einem Keks oder als Kuchenglasur. Schokolade zu widerstehen, ist fast unmöglich. Besonders Kinderaugen bringt ein Stück Schokolade zum Strahlen – zumindest hierzulande. Denn in den Anbauländern sieht das ganz anders aus. Den uns bekannten süßen Schokoladengeschmack kennen die Kinder dort oft nicht. Und das, obwohl einige von ihnen auf Kakaoplantagen arbeiten, damit der Rohstoff für die süße Leckerei hier zu uns nach Deutschland kommt. 

Die größten Kakaoanbaugebiete der Welt liegen in Ghana und in der Côte d’Ivoire, der Elfenbeinküste. Allein in diesen beiden Ländern verrichten laut einem Bericht der Universität Chicago (NORC) schätzungsweise 1,5 Millionen Jungen und Mädchen im Alter von 5 bis 17 Jahren Kinderarbeit – allein im Kakaosektor. Und das, obwohl Kinderarbeit in beiden Ländern offiziell verboten ist.

Kinderarbeit auf Kakaoplantagen: Zahl steigt wieder an

Sowohl in Ghana als auch in der Côte d’Ivoire hat sich die Anzahl der Haushalte, die von der Kakaoproduktion leben, enorm erhöht: Während der Anteil im Jahr 2008/2009 bei 55 % lag, ist er 2018/2019 auf 86 % gestiegen. 

Auch bei der Kinderarbeit gibt es seit den letzten Jahren wieder eine Steigerung. Und das obwohl die Anzahl an arbeitenden Jungen und Mädchen zwischen 2000 und 2016 um 94 Millionen gesunken ist. Nun steigen die Zahlen wieder. Laut Berichten des ZDF sind 79 Millionen Kinder davon sogar besonders gefährlichen Arbeiten ausgesetzt. Darunter fallen alle Tätigkeiten von Kindern unter 18 Jahren, welche gefährlich für Gesundheit, Sicherheit oder die Entwicklung des Kindes sind. 

Doch warum müssen Kinder auf den Plantagen überhaupt mitarbeiten? Für Kakaobauernfamilien war es schon immer nicht einfach, das existenzsichernde Einkommen, das in der Côte d’Ivoire bei 478 Euro im Monat liegt, zu verdienen. Der Absturz der Kakaopreise am Weltmarkt im Jahr 2016 verschlechterte die Situation nochmals. Auch seit dem Frühjahr 2020 sank die Nachfrage und damit auch der Kakaopreis aufgrund der Corona-Pandemie nochmal. Statt den 478 Euro hat ein Haushalt in der Côte d’Ivoire oftmals nur 172 Euro zum Leben. Also gerade einmal ein Drittel von dem, was er zum (Über-)Leben eigentlich bräuchte. In Ghana sieht es ähnlich aus: Die Lücke beträgt hier circa 50 %.

Nach der Schule geht es auf die Kakaoplantage

Wenn die Eltern so wenig verdienen, dass sie nicht einmal genug Essen für die Familie kaufen können, müssen in vielen Ländern wie Ghana oder der Côte d’Ivoire auch Kinder mitarbeiten. Viele von ihnen können wegen der Arbeit, der schlechten Infrastruktur oder wegen des fehlenden Geldes nur eingeschränkt in die Schule gehen oder müssen nebenbei gefährliche Arbeiten verrichten. Einige arbeiten deshalb ihr Leben lang auf einer Kakaoplantage und bekommen selbst Kinder, die oft vor ähnlichen Herausforderungen in ihrem jungen Leben stehen.

In den Ländern vor Ort oder auch in Deutschland gibt es schon viele Initiativen und Organisationen, welche die Kinderarbeit im Kakaosektor bekämpfen. Dazu gehört beispielsweise auch der „10 Punkte Plan für Kakao von BMZ und BMEL“: Für einen nachhaltigen Kakaosektor ohne Kinderarbeit, mit fairen Arbeitsbedingungen und fairen Löhnen. Dafür verfolgt das BMZ ganzheitliche Lösungsansätze, welche die unterschiedlichsten Ebenen entlang der gesamten Wertschöpfungskette betreffen. Angefangen bei den Kakaobauernfamilien über die Lieferanten bis hin zum Verkauf. Auch die Förderung des Politikdialogs in den entsprechenden Ländern spielt eine wichtige Rolle.

So können alle den Kampf gegen Kinderarbeit unterstützen

Ziel dieses Plans und auch das vieler anderer Initiativen und Organisationen ist es, im Kakaosektor tätige Familien so zu fördern, dass sie ein existenzsicherndes Einkommen generieren können. Um dieses Ziel zu erreichen, können auch wir Verbraucher*innen mithelfen: Dafür beim nächsten Schokoladeneinkauf zum Beispiel darauf achten, wie nachhaltig die Schokolade ist – also ob sie beispielsweise über ein Nachhaltigkeitssiegel verfügt. 

Zwar ist diese Schokolade etwas teurer als andere. Doch mit diesem Kauf können wir tatsächlich etwas bewirken. Denn die Organisationen, von denen diese Schokolade stammt, setzen sich dafür ein, dass Kakaobauernfamilien ein besseres Einkommen erhalten und Kinderarbeit verhindert wird. Noch dazu kommt ihr Engagement für mehr Umweltschutz sowie gute Anbaumethoden. Du kannst auch Freunden und deiner Familien von der Situation auf vielen Kakaoplantagen erzählen, um auf das Thema Kinderarbeit und die schlechten Arbeitsbedingungen aufmerksam zu machen. So sorgst du dafür, dass mehr Menschen beim Schokoladenkauf zwei Mal nachdenken – und am Ende vielleicht auf eine Schokolade aus Fairem Handel zurückgreifen.

So kann auch jede*r Einzelne von uns etwas gegen die schlechten Arbeitsbedingungen und die Kinderarbeit auf den Kakaoplantagen tun. Damit Familien wieder besser leben können und Kinder endlich wieder das tun können, was sie eigentlich auch tun sollten: Spielen, zur Schule gehen und einfach Kind sein dürfen.

Quelle: 

– NORC 2020 Cocoa Report

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