Während der Teekonsum in Deutschland steigt, leben die Arbeitenden auf den Teeplantagen oft von einem Hungerlohn. Ein Ungleichgewicht, das nur durch ein Umdenken in der Wertschöpfungskette erreicht werden kann.

© Oleh Slobodeniuk/iStockphoto

Teemomente sind Genussmomente. Eine Tasse Tee assoziieren Teetrinker mit einer kleinen Auszeit, mit Zurücklehnen. Hinzu kommen die gesundheitlichen Aspekte: Tee trinken tut gut, verleiht uns ein wärmendes Wohlgefühl und soll je nach Sorte Beschwerden wie Hals-, Bauchschmerzen und Einschlafprobleme lindern.

Tee trinken immer beliebter

Tee avanciert hierzulande zu einem der Lieblingsgetränke. Rund 68 Liter Tee trinken wir in Deutschland pro Kopf jährlich. Das entspricht circa 47 Milliarden Tassen pro Jahr. Im Vergleich: Bei Kaffee, dem Top-Favoriten unter den Getränken, sind es circa 168 Liter pro Kopf im Jahr. Die Tendenz des Tee-Konsums ist laut Tee-Report 2020 des Deutschen Tee- und Kräuterverbandes weiter steigend. Vor allem Kräuter- und Früchtetees sind beliebt, gefolgt von Schwarzem und Grünem Tee. Europas Spitzenreiter ist Irland mit rund 222 Litern, gefolgt von Großbritannien mit circa 177 Litern pro Person im Jahr.

Herkunfts- und Lieferketten-Nachweis? Fehlanzeige!

Aber woher kommt eigentlich der Tee, den wir so lieben? Na, aus dem Supermarkt! Stimmt, zu rund 54,3 Prozent kaufen Teetrinker*innen in Deutschland den Beutel oder die Mischung zum Aufbrühen im Lebensmitteleinzelhandel oder beim Discounter, vereinzelt im Teefachgeschäft. Der tatsächliche Ursprung der Rohware für unsere Tasse Tee ist für Verbraucher*innen beim Kauf jedoch kaum oder überhaupt nicht nachvollziehbar. Was fehlt, ist die Transparenz in der Lieferkette: Auf welcher Plantage und in welcher Region wurde der Tee angebaut? Und unter welchen Arbeitsbedingungen? Wer verarbeitet die Rohware weiter und wer liefert sie?

Klar ist, am Anfang der Lieferkette befindet sich nach wie vor das schwächste Glied: die Arbeiter*innen auf den Teeplantagen. Recherchen und Studien von OXFAM Deutschland zeichnen ein ernüchterndes Bild von Ungleichheiten und Hungerlöhnen der Arbeiter*innen auf Teeplantagen in Assam – der größten Teeproduktionsregion in Indien.

Nur 1,4 Prozent der Einnahmen landen bei Arbeitenden der Teeplantagen

Denjenigen, die den Tee anbauen und ernten, bleiben laut Oxfam nur 4 Cent von einem beispielhaften Verkaufspreis von 3 Euro für eine Teepackung. Ganze 2,60 Euro verbleiben in den Kassen der Einzelhändler oder Teeunternehmen, also gut 86 Prozent des Endpreises, den Konsumenten bezahlen. Ein deutliches Ungleichgewicht und ein Hungerlohn für die auf den Plantagen arbeitenden Männer und vor allem Frauen. Mit umgerechnet 2,14 Euro Tagesverdienst können sie sich selbst in Indien kein menschenwürdiges Leben leisten, 56 Prozent der Arbeiter*innen haben nicht ausreichend zu Essen, die Hälfte lebt unterhalb der Armutsgrenze.

Fair gehandelten Tee konsumieren, faire Lieferketten schaffen

Wie wir dem gegensteuern können? Durch den Kauf von Fair Trade Tee. Ein fair gehandelter und zertifizierter Tee bedeutet: fairer Handel, faire Entlohnung und gute Arbeitsbedingungen. Nach Angaben von OXFAM lässt sich lediglich bei Tee, der als fair zertifiziert ist, die Herkunft bis zur tatsächlichen Produktionsstätte nachvollziehen. Zwar setzen deutsche Unternehmen und Supermärkte auf zertifizierte Plantagen, z. B. durch die Rainforest Alliance/UTZ oder andere Initiativen. Doch selbst hier treten laut OXFAM-Studie Missstände zutage. Die Entwicklungsorganisation appelliert daher an Teeunternehmen und Einzelhändler, ihr Handeln an den Leitprinzipien der Vereinten Nationen für Wirtschaft und Menschenrechte auszurichten und nachhaltig gestaltete Lieferketten zu schaffen. Das von der Bundesregierung im Juni 2021 verabschiedete Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, kurz „Lieferkettengesetz“ genannt, ist ein Schritt, um Maßnahmen für die Einhaltung von Menschenrechten verpflichtend von Unternehmen einzufordern.

Quellen:

https://www.teeverband.de/files/bilder/Presse/Marktzahlen/TeeReport_2020_ES.pdf

https://www.oxfam.de/system/files/schwarzer-tee-weisse-weste-assam.pdf