Starker Kaffee braucht starke Frauen

Im Kaffeeanbau machen vor allem Frauen den Unterschied. Trotzdem sind sie längst nicht gleichberechtigt zu ihren männlichen Kollegen. Aber es tut sich was!

Ruandische Kaffeebäuerin
Frauen im Kaffeesektor sind oft noch marginalisiert. Zeit für Veränderung.. © Kaffee-Kooperative

Die braune Bohne fand bereits im 17. Jahrhundert den Weg nach Europa und entfachte dort neue Traditionen, zum Beispiel die Kaffeehauskultur. Kaffeehäuser waren ein Ort zum Lesen, Diskutieren, Philosophieren, Spielen oder einfach zum Tratschen – und das alles bei einer leckeren Tasse Kaffee. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts durften auch Frauen Kaffeehäuser betreten, zunächst aber nur in Begleitung von Männern. Dabei ist damals und heute Kaffeegenuss ohne die Frauen am Anfang der Lieferkette schlichtweg unmöglich. Denn was viele nicht wissen: egal ob Feldarbeit, Ernte oder Sortieren – Kaffeeanbau liegt oft in Frauenhänden. Rund um den Äquator bauen Millionen Bäuerinnen Kaffee an. Je nach Region leisten Frauen sogar bis zu 70 Prozent der Arbeit auf den Parzellen und bei der Ernte. Das heißt aber nicht, dass sie einen entsprechend großen Anteil von den Erlösen bekommen. Ganz im Gegenteil: finanziell sind Kaffeebäuerinnen deutlich schlechter gestellt als ihre männlichen Kollegen und erzielen meist das geringste Einkommen.

Mehr Arbeit für weniger Geld

Wie kann das sein? Frauen übernehmen häufig den handwerklichen und körperlich anstrengenden Teil im Kaffeeanbau: das Aufziehen und Ernten der Kaffeepflanzen sowie das Schälen, Waschen und Auslesen der Bohnen. Zu den Erlösen haben viele Frauen aber keinen Zugang. Denn der Verkauf der Kaffeebohnen ist in der Regel immer noch „Männersache“. Von wichtigen Entscheidungsprozessen sind Frauen somit strukturell ausgeschlossen. Das ist aber nicht alles. Nicht nur beim Einkommen, sondern auch beim Eigentum sind Frauen häufig benachteiligt. Weltweit betrachtet werden nur ca. 20-30 Prozent der Kaffeefarmen von Frauen geführt. In vielen Anbauländern sind es noch deutlich weniger.

Nach der Arbeit auf dem Feld tut sich noch eine weitere Lücke auf: Der Arbeitstag einer Kaffeebäuerin endet meist erst nach 15 Stunden und ist damit fast doppelt so lang wie der ihrer männlichen Kollegen. Neben der Arbeit auf dem Feld sind viele Frauen noch für Hausarbeit, Kindererziehung und Pflegeaufgaben verantwortlich. Das sind lange Tage mit viel Arbeit und am Ende zu wenig Geld.

Frauenpower mit Weitsicht

Die Kaffeebäuerinnen lassen sich von diesen Benachteiligungen aber nicht unterkriegen und kämpfen für ihre Rechte. Viele von ihnen bringen nicht nur große Leidenschaft für ihr Produkt mit, sondern auch viel Weitsicht bei wirtschaftlichen Entscheidungen. Studien besagen, dass Frauen 90 Prozent der Erlöse in die Familie investieren, während es bei Männern nur 40 Prozent sind. Sie sorgen damit für eine bessere Grundversorgung der Familie, bessere Bildung und Gesundheit. Um diese Frauenpower stärker zu nutzen, gibt es bereits wichtige Initiativen. Frauen schließen sich beispielsweise in Kooperativen zusammen und bieten „Kaffee ganz aus Frauenhand” an. Wenn auch du die Selbstbestimmung und Unabhängigkeit der Produzentinnen stärken willst, frag doch beim nächsten Einkauf im Supermarkt oder beim nächsten Besuch in einem Kaffeehaus (aka Café) nach Kaffee aus Frauenhand.