Wenn dein Kaffee ein Gesicht bekommt

Nachhaltig produzierter Kaffee schön und gut. Aber woher weißt du ganz sicher, dass die Bäuerin von ihrer Ernte gut leben kann? Blockchain macht’s möglich.

Dative Nifashas Kaffee ist bis zu ihr rückverfolgbar. © Anquelique's Finest

„Mir geht es jetzt besser als zuvor, da ich meinen Kaffee nun zu einem höheren Preis verkaufen kann“, berichtet Dative Nifasha, Kaffeebäuerin aus Ruanda. Dative ist Teil einer Kaffeekooperative, in der sich Frauen organisieren um, von ihrer Arbeit ein gutes Leben für sich und ihre Familien zu erlangen. Das klingt zunächst recht unspektakulär; aber in Wahrheit ist das eine kleine Sensation. Obwohl Frauen rund 70 Prozent der Arbeit im Kaffeeanbau leisten, besitzen sie weit weniger Anbauflächen, haben ein deutlich niedrigeres Einkommen und weniger Mitspracherecht als die Männer. Seitdem Dative und andere Bäuerinnen in der Kooperative die Kaffeemarke Angelique’s Finest mit aufgebaut haben, ist damit Schluss. Die Frauenkooperative stärkt die Rechte der Frauen: Sie schult Frauen in Anbautechniken und Vermarktung, fördert ihre Geschäftsideen und eröffnet den Zugang zu finanziellen Mitteln.⁠ Angelique’s Finest legt einen Großteil der Kaffeeproduktion von der Kaffeeernte bis zum Verpackungsdesign in Frauenhände. Dadurch bleibt deutlich mehr Geld bei den Erzeugerinnen und ermöglicht ihnen ein selbstbestimmtes Leben: „Früher erhielt der Mann alles Einkommen und wir waren davon abhängig, was er uns gab. Heute erhalten wir durch den Frauenkaffee unser eigenes Geld und können entscheiden, wie wir es ausgeben. Ich nehme nun teil an den finanziellen Entscheidungen und unserer Haushaltsplanung“, erzählt Katharina Mukaremera.

Die Blockchain macht’s möglich

Und das ist nicht nur eine gut geschriebene Marketing-Story. Rwashoscco, eine Vereinigung von sechs Kaffeekooperativen, die International Women’s Coffee Alliance (IWCA) und die deutsche Bundesregierung haben das Projekt INATrace ins Leben gerufen: Damit kann der Kaffee von Angelique’s Finest aus der heimischen Küche hier in Deutschland bis zur Kaffeebäuerin in Ruanda rückverfolgt werden. Und so funktioniert’s: Jede Kaffeebäuerin, die Kaffee für Angelique’s Finest produziert, erhält eine digitale ID. Konsumentinnen und Konsumenten können die Lieferkette über einen Scan des QR-Codes auf der Verpackung transparent nachvollziehen: von der Ernte und Verarbeitung in Ruanda über die Verschiffung nach Hamburg, das Rösten in Deutschland in einer von den ruandischen Produzentinnen beauftragten Lohnrösterei bis zum Lager und Versand von Berlin aus.

Nachvollziehbar ist zudem die überdurchschnittliche Bezahlung der Produzentinnen im Vergleich zum Weltmarktpreis. Vor allem bekommt dein Kaffee aber dadurch ein Gesicht. Als Konsumentin oder Konsument hast du die Möglichkeit, mit den Produzentinnen von Angelique’s Finest direkt in den Austausch zu treten und dich von der fairen Behandlung von Menschen am Anfang der Lieferkette am ganz konkreten Beispiel zu überzeugen.