Der konventionelle Anbau von Baumwolle hat gravierende Auswirkungen auf die Menschen und vor allem auf die Kinder vor Ort.

Eine komplexe Lieferkette muss passiert werden, bis aus diesen Baumwollballen eine fertige Textilie entsteht. © iStock

Was haben Reinigungstücher, Bekleidung, Tischdecken und Bettwäsche gemeinsam? Ein Blick auf das Pflegeetikett inklusive Materialangaben liefert die Lösung: Baumwolle. Und das ist häufiger der Fall, als manch einer so wahrnimmt. Ganze 26 Prozent der weltweit verarbeiteten Textilfasern bestehen aus der Baumwollpflanze. Das entspricht einer jährlichen Produktion von circa 26 Millionen Tonnen. Vor allem die Eigenschaften der Faser sprechen für die Baumwolle: als reißfestes, saugfähiges, gut waschbares und atmungsaktives Material finden sich vielfältige Einsatzmöglichkeiten.

Und wie steht es um die Lieferkette der Baumwolle? Die ist vor allem: lang und komplex. Über 90 Prozent der in Deutschland verkauften Kleidungsstücke werden im Ausland produziert. Denn bevor eine fertige Textilie hergestellt ist, geht die Baumwolle durch viele Hände. Aber fangen wir mal vorne an.

Grundsätzlich ist der Textil- und Bekleidungssektor sehr international aufgestellt. Der gesamte Sektor bildet die Lebensgrundlage für mehr als 200 Millionen Menschen in mehr als 80 Ländern. Die Baumwollfasern selbst werden aus der Frucht des Baumwollstrauches gewonnen. Die Hauptanbauregionen des afrikanischen Baumwollanbaus liegen in Westafrika: Benin, Mali, Cote d´Ivoire und Burkina Faso sind die größten Baumwollproduzenten. Nach der Entkörnung der Baumwolle werden die Fasern zum größten Teil zur Weiterverarbeitung nach Asien exportiert. Der nächste Schritt, das Spinnen und Weben von Garnen, geschieht dann meist in China, Indien, Bangladesch oder Vietnam.

Der Hauptanteil der produzierten Baumwolle wird von Kleinbäuerinnen und -bauern angebaut. Die Mehrzahl dieser Familien sind von Armut betroffen. Eine Folge der Armut ist ausbeuterische Kinderarbeit. Oft ist die Arbeit der Kinder als Beitrag zum Familieneinkommen entscheidend, um die Grundbedürfnisse der Familie zu sichern. Bis zu 12 Stunden täglich und sieben Tage die Woche, verrichten sie gefährliche Arbeit mit Werkzeugen wie Macheten oder transportieren schwere Baumwollballen oder versprühen gesundheitsschädigende Pestizide. Oftmals sind chronische Augenentzündungen, Nieren- und Leberprobleme oder Atemwegserkrankungen die Folge. Verbrecherische Banden vermitteln ihre Arbeitskraft teils sogar außerhalb ihrer Heimat.

Allein vom Saatkorn bis zum Ballen beschäftigt Baumwolle also ziemlich viele Menschen. Daher trägt die Produktion der Baumwolle auch deutlich zur Ernährungssicherung, Einkommens- und Beschäftigungsförderung im ländlichen Raum bei. Damit du auch nachhaltig produzierte Baumwolle einkaufst, solltest du also unbedingt auf Baumwoll- und Textilsiegel achten, wie Cotton made in Africa oder den Grünen Knopf. Kennst du schon siegelklarheit.de und die dazugehörige App? Hier findest du weitere Siegel für nachhaltigen Baumwollanbau und Textilherstellung. 

Und wenn du dann doch einmal nach einer nachhaltigen Alternative zu Baumwolle suchst, haben wir im nächsten Blogbeitrag ein paar Vorschläge gesammelt – hier nachzulesen.

Quellen: 

– Sustainable Cotton Rankings, 2017-2020